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DENK MAL NACH! - SPRUCH DES MONATS.

Gedanken von Annette List.
Foto: cmisterQM / photocase.com

Das wäre schön, wenn ich mit Paulus mal eine Tasse Kaffee trinken könnte. Dann würde ich ihn fragen, ob er den Brief an Timotheus, den er mit Tipps, Ratschlägen und sogar Ermahnungen vollpackte, heute auch noch so formulieren würde.
Nehmen wir z.B. den Satz, den er an Menschen richtet, die wegen ihres Glaubens u.a. auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten: Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut; und nichts ist schlecht, für das wir Gott danken. 1.Tim 4,4.
Ich verstehe sein Anliegen, den damaligen Christen deutlich zu machen, dass es im religiösen Sinne keine „unreinen“ Nahrungsmittel gibt und sie genüsslich alles essen können, was auf dem Tisch kommt.
Ob uns Paulus aber heute das Gleiche schreiben würde? Die Schweineschnitzel, die wir zu gern sonntags nach dem Gottesdienst mit Mandelbrokkoli, Petersilienmöhrchen und Kartoffeln essen, kann ich sehr genießen. Genauer darüber nachdenken möchte ich lieber nicht. Viele unserer heutigen Nahrungsmittel enthalten krankmachende Zusatzstoffe, Obst und Gemüse sind erschreckend hoch mit Pestiziden belastet und im Fleisch können antibiotika-resistente Keime enthalten sein. Nahrungsmittel aus biologischem Anbau können wir uns nicht immer leisten. Außerdem bezweifle ich, ob wirklich alles Bio ist, wo Bio draufsteht.

... nichts ist schlecht, für das wir Gott danken.
Ist es wirklich so einfach? Gott „Danke!“ sagen und alles ist gut? Auch hier habe ich Fragen. Aber ich muss zugeben, dass mir dieses Bibelwort irgendwie den Druck nimmt und mich erleichtert. Wenn ich dankbare Menschen anschaue, sehe ich meist fröhliche und sorglose Menschen. Vielleicht geht es genau darum: In einer vertrauensvollen Beziehung zu meinem himmlischen Vater zu leben und dankbar zu sein, dass er für mein Leben sorgt und mir Gutes tun will. In dieser Beziehung bekommt das Essen, aber auch viele andere wichtige Dinge, einen anderen und untergeordneten Stellenwert, was natürlich verantwortungsbewussten Umgang mit Nahrungsmitteln nicht ausschließt.
Sollte ich mit Paulus irgendwann einmal Kaffee trinken, werde ich mit ihm noch mal über alles reden, aber vor dem Essen mit fröhlichem Herzen ein Dankgebet sprechen:
Alles Gute kommt von dir. Deinen Segen brauchen wir.
Danke Herr, für Müsli, Tee, Nutella, Brot und den Kaffee*.


*aus  „Danke Gott auch fürs Kompott“, Annette List, Brendow Verlag

 

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